Darauf kann Duisburg stolz sein – Überregional erzählt

Ob Wolfgang seine Meinung nun ändert? Nachdem, was der Fußball in Duisburg bewegt hat. Ich kenne Wolfgang nicht näher. Im Grunde kenne ich nur seinen Namen und seine Botschaft, die er vor einiger Zeit im Kleinanzeigenteil der  Süddeutschen Zeitung unter der Rubrik „Verschiedenes“ als flammenden und zugleich gereimten Appell veröffentlichte:

Bleibt zu Hause

Fußball, Terror
Bombenleger
das sind alles Welterreger
Sport und Spiele
sind nichts wert
über alle
kommt das Schwert
Bleibt zu Hause
werdet still
Unser Gott tut
was ER will.

Dass wir tatsächlich SEINEM Handeln derart willenlos ausgeliefert sind, ist zum einen nicht meine Meinung, zum anderen wirkt Wolfgang  mir bei aller möglichen Kritik an der öffentlichen Aufmerksamkeit für den Fußball in seiner rhetorischen Figur der Reihung  zu Beginn seiner Worte etwas überreizt. Wahrscheinlich denke nicht nur ich so.

Stellt euch vor, alle Anhänger des MSV Duisburg hätten seine Stimme erhört. Gerade die Unterlassung des Handelns wäre das moralisch Verwerfliche gewesen, weil es das Gute in Duisburg nicht zum Ausdruck gebracht hätte. Gerade weil die Anhänger des MSV Duisburg nicht zu Hause blieben und handelten, zeigten sie was Sport und Spiel wert sein können. Es geschah etwas Gutes und zwar nicht allein auf den Fußball, im speziellen den MSV Duisburg, hin bezogen. Was geschah, wirkte auf das Selbstbild Duisburgs. Es zeigte Duisburg, was möglich ist.

Wären die Anhänger des MSV Duisburg zu Hause geblieben, hätte ich zudem nicht die Gelegenheit erhalten, über dieses vorbildhafte Geschehen für die Süddeutsche Zeitung in einem Interview zu erzählen. Das ist die Pointe an der Geschichte. Wolfgang hatte Mittwoch als Leser der Süddeutschen Zeitung eine Möglichkeit, sein überreiztes Urteil zu korrigieren. Es ist doch immer wieder gut, nicht darauf zu warten, dass ER es für einen richtet.

2013-07-10_SZ_Interview_c

Man kann das Geschehen der letzten Wochen übrigens auch in einem anderen, düsteren Ton erzählen wie bei Jungle World geschehen. Darüber darf man sich nicht ärgern. Vielmehr gilt es jene Geschichte, die der Stimmung in Duisburg viel mehr entspricht, einfach öfter weiter zu erzählen. Mit jener freundlichen Entschlossenheit und Energie, wie sie in den letzten Wochen in Duisburg vor dem Stadion zu spüren war.

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4 Responses to “Darauf kann Duisburg stolz sein – Überregional erzählt”


  1. 1 jovan hamborn 13. Juli 2013 um 17:10

    die gefühlslinke „bild am mittwoch“ ergeht sich gewohnheitsmäßig im aufzählen von klischees und allgemeinplätzen. sei’s drum.
    doch auch die Dir gestellten fragen erscheinen mir eher langweilig. es ist so schade, dass es in diesem land nahezu keine journalisten gibt, die etwas erfahren möchten, die vom wunsch nach erkenntnisgewinn getrieben sind.
    aber auch medienschelte ist selbstverständlich öde und unoriginell. habe mich offenbar bloß so sehr über den jw-stuss geärgert.
    samstag wird bereits gespielt und diese unerträglichste aller sommerpausen liegt hinter uns. endlich!!

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  2. 2 Kees Jaratz 14. Juli 2013 um 16:41

    Ich bin ganz zufrieden mit dem Interview. Platz ist wichtig, Botschaft ist unter die Leute gebracht. Und so viel Klischee sehe ich da nicht. Sicher, da werden plakative Bilder aufgegriffen, aber daran kommt man nicht vorbei. Selbst die werden ja unterschiedlich bewertet, und da ist mir es allemal lieber, zu sagen, die STadt zieht daraus Selbstbewusstsein als ein Abstieg wird gefeiert. Es geht um Meinungsmacht in der Öffentlichkeit. Woher kommt in Duisburg so oft die üble Laune? Weil Duisburger nur wenige Gründe im städtischen GEschehen finden, um sich mit ihrer Heimatstadt zu identifizieren? Aber sie identifizieren sich mit den Menschen und ihrem selbst erlebten Nahraum. Da fühlen sie sich wohl, über die Maßen wohl, nach dem Motto in Duisburg kann auch glücklich sein. Das „auch“ verweist auf die schlechten Nachrichten. Man darf nichts schön reden. Man muss aber die gelungenen Momente städtischen Lebens immer auch als Teil dieses städitschen Lebens erzählen und nicht nur als Gelingen von einzelnen. Hat mich gerade ein bisschen fortgetrieben 😉
    Und ich weiß auch gar nicht so recht, ob es überhaupt eine Antwort wurde auf das, was dich bewegt.
    Was ich aber weiß, du hast recht, endlcih wieder Fußball. Freue mich auch sehr drauf. Egal, was uns am Anfang erwartet!

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  1. 1 111 Fussballorte im Ruhrgebiet » Blog Archive » Kees Jaratz spricht mit der SZ: “Darauf kann Duisburg stolz sein” Trackback zu 14. Juli 2013 um 15:03
  2. 2 Alles Gute für 2014 mit Big Data von 2013! | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 1. Januar 2014 um 12:48

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