Stimmungs-Check Ego

Mit den Spielern des MSV weiß ich mich vor dem Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 einig. Morgen gehe ich ganz ohne Druck in das Pokalspiel. Im Gegensatz zu den Spielern des MSV weiß ich allerdings noch nicht, ob das für meine Leistung  gut oder schlecht ist. Die zwei Niederlagen gegen den 1. FC Kaiserslautern und gegen den VfL Bochum haben ihre Spuren hinterlassen. Ein befreites Auftreten wird man von mir als Zuschauer zum Spielbeginn jedenfalls nicht sehen. Ich werde abwartend stehen und die Mannschaften erstmal kommen lassen. Das ist nicht schlimm. Ich gehe nur realistisch in das Spiel.

Denn seit letztem Samstag ist mir klar, wie sehr der Aufstieg des MSV Duisburg ein Stückwerk war. Bei ruhigem Nachdenken hätte ich es schon längst wissen können. Einer Saison mit einem Mannschaftsaufbau praktisch aus dem Nichts folgte sofort eine Saison, in der das Ziel Aufstieg ab dem März klar in den Vordergrund trat. Tatsächlich wurde in dieser zweiten Saisonhälfte immer mehr von Spiel zu Spiel gedacht. Die Floskel des Fußballer-Interviews entsprach der Wirklichkeit. Eine mittelfristige Entwicklung musste dem untergeordnet werden. Daran war nichts zu ändern. Erfolg folgt dem Erfolg, und deshalb durfte der Flow der Mannschaft nicht gestört werden. Alles daran setzen, dass es bleibt, wie es ist. Das muss die Devise gewesen sein.

Darin unterscheidet sich der MSV Duisburg von den Aufsteigern der Vorsaison. Bei diesen drei Mannschaften hatte es über längere Zeit eine Entwicklung gegeben, an die in der 2. Liga angeknüpft werden konnte. Es war ein Weitergehen auf einem schon länger eingeschlagenen Weg. Der Erfolg dort ergab sich in einem Kontinuum. Der MSV Duisburg kann nur bedingt an diesen Aufstieg anknüpfen. Dieser Erfolg war ein Kraftakt. Jetzt befinden wir uns alle auf einem Plateau, und jeder sieht sich um, wie er sich auf der Fläche zurechtfindet. Deshalb ist jeder Spieler vor allem auf seine individuellen Fähigkeiten zurückgeworfen. Die Mannschaft als taktische Einheit ist noch nicht so weit, dass sie jedem ihrer Spieler zu seiner besten Leistung verhilft. Jetzt erst kann die Mannschaft weiter entwickelt werden. Wenn nur nicht die deutlichen Niederlagen zu sehr auf die Stimmung schlagen. Wenn nur nicht die so deutliche Unterlegenheit in den Punktespielen das Selbstbewusstsein der einzelnen Spieler zu sehr untergräbt. Wenn nur nicht die Angst vor dem direkten Wiederabstieg zu groß wird.

Schon wieder kann der Entwicklung die Gegenwart in die Quere kommen. Hoffen wir, dass dem nicht so ist. Hoffen wir, das alle im und um den MSV die Ruhe bewahren. Hoffen wir, dass Gino Lettieris öffentliches Reden dazu beiträgt. Hoffen wir, dass er mit seiner „Kritikerschelte“ den Druck  von der Mannschaft nehmen wollte. Sonst verstehe ich ihn nämlich nicht, sonst muss ich denken, er ist zu dünnhäutig und reagiert leicht über. Ich kenne niemanden, der nach den zwei Punktspielniederlagen alles in Frage stellt, wie in WAZ/NRZ zu lesen war. Vielleicht gibt es irgendwo vereinzelt grundsätzliche Kritik an Gino Lettieri. Eine große Öffentlichkeit finden diese Kritiker aber nicht. Ich lese fast immer nur große Sorge über die Möglichkeiten dieser Mannschaft, die mit nichts anderem begründet werden, als mit dem was auch Gino Lettieri als sehr verbesserungswürdig ansieht, die Schnelligkeit des Handelns und Reagierens in erster Linie. Also, mal sehen, wie die Mannschaft und ich uns morgen präsentierten werden.

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4 Responses to “Stimmungs-Check Ego”


  1. 1 Sabine Ka 7. August 2015 um 16:03

    Also, dass der Aufstieg Stückwerk gewesen sein soll, sehe ich ein wenig anders. Zugegeben, oft wirkte es im Nachhinein einzelner Spiele nicht sooo souverän, was da abgeliefert wurde. Aber Stückwerk? Das klingt nach Ramsch, nach Minderwert, nach Fahrlässigkeit. Was hätten sie bitte tun sollen? Einfach mal mit Absicht richtig schlecht spielen, damit sie doch besser nicht aufsteigen? Der Aufstieg war im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. Der später von dir genannte Begriff „Kraftakt“ gefällt mir deutlich besser. Da erinnere ich mich dann deutlich an Anstrengung, zusammengebissene Zähne, Willen. Nicht schön aber letztendlich zielführend. Das spät gesteckte Saisonziel wurde glaube ich nicht aus Versehen erreicht. 😉
    Dass man nach einem Kraftakt auch erst mal platt auf dem Plateau steht und sich – wohin auch immer – orientieren muss, geschenkt. Vielleicht muss man auch nen dicken Muskelkater auskurieren, vielleicht den Weg zum nächsten Ziel erstmal begreifen und planen, während man dennoch schon langsam in die hoffentlich richtige Richtung losläuft. …

    Übrigens: was ist so falsch an Lettieris Statement? Kennen wir nicht alle seit jeher die berechenbar unberechenbaren Amplitudenausschläge der Duisburger Fanseele? (Die Ausschläge der Medienseele lasse ich bewusst hier außen vor.) „Einfach mal den Ball flachhalten und aufmerksam abwarten!“, war m. E. die Trainerbotschaft. Was, wenn nicht das, wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch die Alternative? Alles andere wäre ein Misstrauensvotum.

  2. 2 Kees Jaratz 7. August 2015 um 16:20

    Stückwerk, bezogen auf die mannschaftliche Entwicklung, etwas, was als Einzelleistung da steht und nicht Teil ist einer kontinuierlichen Entwicklung der Mannschaft. So negativ klingt das in meinem Ohren gar nicht. All deine Assoziationen habe ich dabei nicht.

    Und was Lettieris Reaktion angeht, völlig einverstanden, wenn es tatsächlich strategisch gedacht ist. Es kitzelt ein leiser Zweifel, weil das nach meinem Geschmack ein Erregungsvolumen zu viel war.

    • 3 Sabine Ka 7. August 2015 um 16:32

      Vielleicht den Begriff zerlegen? Ein Stück Werk? …
      Wie wäre es denn, wenn der Aufstieg der Anfang einer kontinuierlichen Entwicklung wäre? Nicht die Mitte und auch nicht das Ende. Könnte doch sein, oder? Würde es dir gefallen?

      Was, wenn Lettieris Erregungsvolumen (schöner Begriff 😂) angesammelt war? Nach dem Motto: was ich immer schon mal sagen wollte. Dazu noch seine blumenlose und wenig kloppsche Formulierungskunst.
      Naja, ich hab’s jedenfalls verstanden, wie oben ausgeführt. 😎


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