Sind auch im Fußball Männer manchmal Herren und die Frauen Damen?

Die ganz großen Zeiten einschlägiger Beweise für die unaufhebbar vorformende Kraft der Sprache auf das Denken sind ja vorbei. So viele Wörter für Schnee haben die Eskimos dann doch nicht und schon gar nicht war aus der behaupteten Schneewortzahl  á la Sapir-Whorf  ein Schluss über Möglichkeiten der Welterfahrung zu ziehen. Auch wir im schneeunsicheren Duisburg aufgewachsene Mitteleuropäer können bei genauem Hinsehen unterschiedliche Zustände von Schnee erkennen, und nichts hindert uns daran, diese Zustände mit je eigenen Wörtern zu benennen.

Wie ja auch bei weniger genauem Hinsehen schon die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erkennen sind. Was seit jeher zu eigenen Wörtern für die beiden vorherrschenden Varianten führte, entsprechend gibt es für den Ballsport unseres Interesses Männerfußball und Frauenfußball. Pressekonferenzen vom MSV Duisburg führen übrigens zu solchen Überlegungen. Seitdem ich den gemeinsamen Auftritt von MSV-Torhüter Michael Ratajczak und MSV-TorhüterinStürmerin Sofia Nati gesehen habe, ist mir der kommende Spieltag etwas aus dem Blick geraten. Mir geht nämlich die Frage nicht mehr aus dem Kopf, wie oft im Fußball auch von „Herren“-Mannschaften die Rede ist und entsprechend von „Damen“-Mannschaften.  Ich habe keine Lust das zu recherchieren. Klärt mich auf. Karsten Baumann kam das „Damen“ auf der Pressekonferenz ganz selbstverständlich über die Lippen.

Das geht mir als Basketballer mit der Herren- und Damen-Begrifflichkeit genauso.  Sollten soziale Hintergründe des Sports bei der Verwendung von einst feiner klingenden Geschlechterbezeichnungen eine Rolle spielen? Bundesligabasketball wird heute noch von Damen gespielt. Die Herren aber sind dem Bundesligabasketball durch den Sponsornamen abhanden gekommen, ganz davon abgesehen, dass der „Männer“-Basketball dem der Herren große Konkurrenz macht. Wie ist das also nun im Fußball? Stimmt mein Eindruck, dass hier fast nur Frauen und Männer Sport treiben?

Als der MSV Duisburg zur Pressekonferenz lud, ging es jedenfalls erst einmal um Frauen und Männer. Die einen spielen in der Bundesliga das erste Punktespiel im Zebratrikot und zwar gegen Bayer Leverkusen, die anderen spielen gegen Rot-Weiß Erfurt in Liga 3. Überraschendes gibt es nach dem Termin nicht zu erzählen. Die Gegner werden ernst genommen. Frauenfußball wird von Männern ernst genommen. Frauen finden Zebratrikots gut. Siege sind das Ziel. Kleinigkeiten entscheiden das Spiel der Männer.

Für den Rückrundenauftakt der Frauenmannschaft war die gemeinsame Pressekonferenz eine gute Idee, als dauerhafte Lösung scheint mir diese Art von Synergieeffekt allerdings nicht geeignet. Wenn vier Personen auf dem Podium sitzen, ist zu viel gleichzeitig abzuhandeln, selbst wenn es keine wesentlichen Informationen zu erzählen gibt. Vielleicht würde dieses Bemühen um Wertschätzung der Frauen durch die Männer sich irgendwann legen, dennoch scheint mir das Ungleichgewicht des Zuschauerinteresses zu groß, als dass die gemeinsame Pressekonferenz dauerhaft gut funktioniert. Dieses Ungleichgewicht führt zu Subtexten, die so eine Pressekonferenz für die Sprechenden kompliziert machen. Man musste nicht sonderlich feinfühlig sein, um mitzubekommen, dass Karsten Baumann sein Berufsziel nach der aktiven Karriere mit dem Athletiktrainer der U19-Nationalmannschaft der Fußball-Damen (!) noch nicht erreicht sah und froh war, einen Job bei den Männern annehmen zu dürfen. Das ist bunt, da blitzt das Männer-Frauen-Thema auf, und wahrscheinlich gefällt das nicht wenigen. Mir wären Sätze über das kommende Spiel aber schon genug.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte:

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2 Responses to “Sind auch im Fußball Männer manchmal Herren und die Frauen Damen?”


  1. 1 Peter Kirstein 14. Februar 2014 um 21:23

    Sofia Nati ist keine Torhüterin!!


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