Alte MSV-Geschichten durch die Vereinsbrille Preußen Münsters gesehen

Die folgende Geschichte zeigt einmal mehr, wie kompliziert manchmal das Leben ist. Bei der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ arbeitet mit Thomas Knüwer ein Journalist, der unter dem Namen „Indiskretion Ehrensache“ auf der Web-Seite seiner Zeitung einen der populären deutschen Blogs schreibt. Häufig geht es ihm dort um Medienthemen, um das, was gemeinhin Web 2.o genannt wird und die seiner Meinung nach notwendigen Veränderungen im Journalismus, die etwa die Blog-Welt hervorruft. Darüber hinaus zeigt er sich aber immer wieder auch mit seinen privaten Interessen. Wenn man längere Zeit bei ihm mitliest, bleibt es einem nicht verschlossen, Thomas Knüwer ist Fan von Preußen Münster.

Als solcher Fan erinnerte er nun neulich an aufregende Zeiten seines Vereins und stellte diesen Beitrag mit der Frage ins Netz, „War der MSV Duisburg bestechlich?. Er verweist dabei auf einen Artikel, der bei „westline“ erschienen ist und an die zwei Oberliga-Spielzeiten 1987/88 und 1988/89 erinnert. In einem der wenigen Kommentare zu dem Beitrag klingt bereits jene Frage an, die auch ich an Thomas Knüwer stellen würde. Wenn man bei „westline“ nachliest, müsste der Titel seines Blogbeitrags eigentlich lauten: „War Preußen Münster bestechlich und machte der MSV Duisburg das Angebot, sich bestechen zu lassen?“ Eine Antwort auf die Frage habe ich nicht. Im Gegensatz zur Behauptung bei „westline“ habe ich in Duisburg noch nie von Bestechungsvorwürfen gegenüber Hertha BSC gehört. Die muss es in Duisburg dann wohl in Kreisen geben, in denen ich nicht verkehre. Und dass ein Verteter des MSV Duisburg in der folgenden Saison an Preußen Münster mit der Frage nach Geld herangetreten ist, hat dieses damalige Vorstandsmitglied natürlich in Duisburg auch nicht lauthals verkündet. Diese alte Geschichte wäre also eine ausgezeichnete Übung in Sachen investigativer Journalismus. Ehrgeizige, junge Kollegen hervorgetreten!

Die Wahrheit des Geschehens liegt also im Dunkeln. Was dem Blog-Beitrag von Thomas Knüwer nicht sofort anzumerken ist. Ihm ist es natürlich anzurechnen, dass er darauf hinweist, er sei Vereinsmitglied von Preußen Münster. Dennoch macht das den Blog-Beitrag in meinen Augen nicht weniger problematisch und zwar nicht, weil ich als Fan vom MSV Duisburg meine, den Verein verteidigen zu müssen, sondern weil Thomas Knüwer verschiedene Haltungen des Schreibens vermischt. Er selbst würde das wahrscheinlich als Errungenschaft des Bloggens ins Positive kehren, ich aber sage, das ist ein Verlust an journalistischem Standard. Schließlich agiert er nicht als Privatperson auf der Seite des Handelsblatt. Er schreibt als vom Handelsblatt angestellter Journalist. Es ist das aufklärerische Pathos des Journalismus, das er in dem Beitrag anzapft. Es ist das Gewicht der Institution Journalismus, die seiner Frage überhaupt Wert verleiht. Diese Frage aber bezieht sich auf eine verkürzte Darstellung des Geschehens. Sein Recht auf Verkürzung bezieht er gleichzeitig aus seinem Schreiben als Fan und Blogger.  Sicher, er gibt Gelegenheit, zumindest die Quelle zu überprüfen. Diese leichte Überprüfung hätte es ohne Web 2.0 nicht gegeben. Dennoch bleibt dieses Unterschreiten eines journalistischen Standards.

Er weicht also journalistische Regeln im Blog auf, während er gleichzeitig durch das Medium „Handelsblatt“ als Journalist wahrgenommen wird. Nun kann er sagen, seine Leser sind klug genug, den Blogger und den Print-Journalisten auseinander zu halten. Doch einerseits gibt es da die Zeit des Lesers. Nicht jeder Leser hat die Zeit die in den Raum gestellte Frage in den Zusammenhang des gesamten Geschehens zu bringen. Die Seite vom „Handelsblatt“ aber besitzt einen Vertrauensvorschuss und damit auch der bloggende Handelsblatt-Journalist Thomas Knüwer, der diesen Vertrauensvorschuss für eine doch einseitige Darstellung eines Geschehens nutzt. Er unterfüttert zudem die den MSV anklagenden Worte mit allgemein gehaltenen, moraliserenden Vorwürfen gegenüber dem DFB, bei denen er auf breite Zustimmung hoffen kann. Was es noch schwieriger macht, die Wahrheit seines Beitrags aufzudröseln. Man sieht also, bei allem Web-2.0-Enthusiasmus über die Möglichkeiten des einzelnen öffentlich zu wirken, die journalistische Grundregel ein Geschehen so umfassend wie nötig und möglich zu schildern, sollte auch beim Bloggen gelten, besonders dann, wenn der Blog als Teil des traditionellen Mediums Zeitung funktioniert.

1 Response to “Alte MSV-Geschichten durch die Vereinsbrille Preußen Münsters gesehen”



  1. 1 links for 2009-05-12 | Du Gehst Niemals Allein Trackback zu 12. Mai 2009 um 13:04

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: