Drei Minuten Wettkampfmodus reichen zu guter Stehplatzleistung bei einem 4:0

Nach dem Schlusspfiff im Spiel des MSV Duisburg gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05 war ich sehr zufrieden. In meinem Alter ist es gut, die Kräfte auch mal schonen zu können. Zumal das Pokalspiel am nächsten Sonntag gegen Union Berlin wahrscheinlich vollen Einsatz verlangen wird. Etwa drei Minuten Wettkampfmodus genügten mir auf meinem Stehplatz, um den 1:0-Vorsprung in eine etwas gesichertere Zwei-Tore-Führung zu verwandeln. Das war Effizienz, die Nerven schonte, dem Blutdruck zugute kam und meine grundsätzliche Entspannung aus der ersten Halbzeit in einen Dauerzustand verwandelte. Derart unaufgeregt schaue ich mir Spiele des MSV eigentlich nur nach einem endgültigem Abstieg an. Wann es das letzte Mal so gewesen ist bei einem Spiel, bei dem es für den MSV um etwas geht, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Meine Wettkampfeffizienz auf dem Stehplatz war möglich, weil die Spieler des MSV von Anfang an sehr wohl die nötige Spannung und Konzentration im Spiel zeigten, um erfolgreich zu sein. Kingsley Onuegbu stand zum ersten Mal in dieser Saison beim Anpfiff auf dem Spielfeld, und so versprach es interessant zu werden, wie der kontrollierte Spielaufbau mit diesem völlig anderen Stürmertyp als bislang funktionieren würde. Eines war von Anfang deutlich, an dem Grundsatz, den Spielaufbau so weit wie möglich kontrolliert zu versuchen änderte sich nichts. Es gab lange Bälle auf den King, doch sie waren Ausnahmen von der Regel, wie die Mannschaft ihr Spiel offensiv gestalten wollte. Sie waren Variationen eines Spiels, dessen Grundsatz weiterhin der kontrollierte Ballbesitz war.

Erleichtert wurde dieser Plan durch eine frühe Führung. Schon in der 13. Minute köpfte Zlatko Janjic das 1:0, nachdem sich Kevin Wolze schön auf dem Flügel durchgesetzt hatte und frei zur Flanke gekommen war. Danach gab es also die Gelegenheit, das zu schaffen, was in Münster gescheitert war, den Sieg durch ein zweites Tor wahrscheinlicher zu machen. Geduldig wollten wir sein zusammen mit der Mannschaft.

Die Geduld wurde nicht belohnt. Andererseits konnte ich völlig entspannt bleiben, weil die Mainzer Offensive zunächst im Grunde nicht vorhanden war. Erst zum Ende der Halbzeit hin gelang es den Mainzern zwei-, dreimal über die linke Defensivseite des MSV durchzubrechen. An meiner Grundentspannung änderte das nichts. Dazu war das Spiel insgesamt zu langsam. Diese Ballkontrolle des MSV verlangt in der Vorwärtsbewegung irgendwann Tempo, eine plötzliche schnelle Aktion. Sonst bleibt jede Spielaktion harmlos und bewirkt keinen Druck auf die gegnerische Defensive. Dieses Tempo gab es nicht, weil Pässe zu unpräzise waren und Spieler zu langsam. Auf beiden Seiten war das so. Gut, dass ich entspannt war. Gut, dass ich mich nicht aufregte.

Denn in der zweiten Halbzeit setzte sich erfolgreich fort, was zuvor ohne Tor geblieben war. Für den verletzten Zlatko Janjic war Stanislav Iljutcenko ins Spiel gekommen. Statt längerer Pässe variierten nun Einzelaktionen sowohl von Iljutcenko als auch von Thomas Bröker das kontrollierte Flügelspiel. Allmählich gelang es nun, Tempo ins Spiel zu bringen. Ich selbst begann in den Wettkampfmodus zu kommen, damit endlich das zweite Tor fiele. Durchbrüche über die Flügel führten nun zu Flanken in den Strafraum, und das war das Spiel von Kingsley Onuegbu. Zweimal war er an der richtigen Stelle. Einmal schoss er freistehend ein, nachdem sich Kevin Wolze einmal mehr auf der Außenbahn durchgesetzt hatte. Meine Entspannung war augenblicklich wieder da. Das andere Mal sprang er höher als seine Gegenspieler und köpfte nach einem Eckball ein. Mit diesen zwei Toren war das Spiel in der 69. Minute entschieden.

Stanislav Iljutcenko war damit noch nicht zufrieden und attackierte weiterhin die Mainzer Defensive beim Spielaufbau. Eine Minute später nahm er einem Mainzer Verteidiger den Ball ab und stürmte auf das Tor zu. Souverän umkurvte er den herauslaufenden Mainzer Torwart und erzielte das 4:0. Wenn man so entspannt ist wie ich, darf man auch mal die völlige Zufriedenheit auskosten. Ich dachte, jegliche Spekulation über ein Torverhältnis könnte sich mit der Zeit als völlig überflüssig erweisen.

Heute lässt mich meine Entspannung sogar ein wenig Wasser in den Wein gießen, damit etwas klar erkennbar wird. Nach den ersten drei Spielen gab es viele Fans, die in Kingsley Onuegbu den Heilsbringer beim Beheben der Abschlussschwäche sahen. Sie können sich bestätigt fühlen. Doch die Aufstellung vom King hat einen Preis. Der MSV zahlt mit dem Verlust von Tempo in der Offensive. Wenn der King spielt, verliert der MSV Dynamik im Spiel.

Die erste Halbzeit zeigte die Begrenzung des kontrollierten Spielaufbaus mit Kingsley Onuegbu in der Spitze ganz deutlich. Das Spiel war langsam, plätscherte dahin und steile Bälle in die Spitze waren vergebliche Bälle – mit einer Ausnahme, bei der Kingsley Onuegbu schon kurz nach der Mittellinie den Ball erhielt und dank seiner körperlichen Präsenz und Technik bis in den Strafraum laufen konnte, wo er letztlich den Ball verlor. Ob mit oder ohne Foul ließ sich von der Gegenseite aus nicht genau erkennen. Die steilen Pässe in den Strafraum aber gingen ins Nichts. Das waren jene Pässe, die Stanislav Iljutcenko in Osnabrück annehmen konnte, um sich sogar Eins-zu-Eins-Situationen gegen den Torwart zu erspielen. Wir kennen das Ergebnis, Tore gab es keine, also, Nachteil hier Abschlussschwäche.

Kurzum: Es gibt keinen deutlichen Vorteil bei den unterschiedlichen Besetzungen, auch wenn der hohe Sieg das im ersten Moment suggeriert. Es werden Mannschaften defensiv besser aufgestellt sein, und dann wird entweder der Pass auf den King zum Problem oder er selbst wird im Strafraum gar nicht an die Stelle gelangen, um seine Tore machen zu können. Momentan gibt es keine ideale Lösung in der Besetzung des Sturms, weil der Vorteil des einen Spielers mit einem Nachteil einhergeht. Erst die Entwicklung des Spiels erweist, ob die Entscheidung für eine bestimmte Aufstellung richtig oder falsch war. Das ist banal, aber nach dem hohen Sieg möchte ich in all meiner Entspanntheit doch darauf hingewiesen haben. Ganz lässig mal rauszuhausen, das könnte auch alles mal anders kommen, das fühlt sich schon gut an, wenn alles bestens gewesen ist.

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